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Geburtsdatum im Lebenslauf: angeben oder weglassen?

Von René Winkler · 28. Juli 2026 · 6 Min. Lesezeit

Geburtsdatum im Lebenslauf – René Winkler erklärt, ob Alter und Geburtsdatum in die Bewerbung gehören
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„Das Alter gehört nicht in den Lebenslauf." Diesen Rat liest man überall, und viele löschen daraufhin ihr Geburtsdatum in der Hoffnung, ihre Chancen zu verbessern. Die ehrliche Antwort ist unbequemer: Das leere Feld hilft dir seltener, als du denkst. Und wichtiger als die Frage, ob das Datum drinsteht, ist eine ganz andere.

Im Bewerbercoaching heißt es oft: „Es kommt darauf an." Bequem gesagt, nur hilft es dir nicht weiter. Hier ist die klare Version, ohne Ausweichen.

Kurz gesagt

Rechtlich ist das Geburtsdatum freiwillig, das AGG verlangt es nicht. In der deutschen Bewerbungspraxis wird es aber meist erwartet. Und es wegzulassen versteckt dein Alter fast nie, weil deine datierten Stationen es ohnehin verraten.

Was das Gesetz sagt, und was nicht

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nennt das Alter ausdrücklich als geschütztes Merkmal. Niemand darf im Bewerbungsverfahren wegen seines Alters benachteiligt werden. Daraus folgt zweierlei: Erstens musst du dein Geburtsdatum nicht angeben, es ist keine Pflichtangabe. Zweitens ist Altersdiskriminierung verboten, aber aus einem einzelnen Lebenslauf ist sie praktisch kaum nachzuweisen.

Das Gesetz schützt dich also im Grundsatz, nimmt dir die Entscheidung über das Datum aber nicht ab. Es sagt: Du darfst weglassen. Es sagt nicht: Du solltest.

Warum Weglassen fast nie funktioniert

Hier kommt der Punkt, den die meisten Ratgeber verschweigen: Wer 25 oder 30 Jahre Berufserfahrung mitbringt und seine Stationen mit Jahreszahlen auflistet, verrät sein ungefähres Alter ohnehin. Das Geburtsdatum wegzulassen, während oben „seit 1998" steht, ist Scheinsicherheit.

Schlimmer noch: Ein bewusst leeres Feld kann wie Vertuschung wirken. Ein Recruiter, der etwas vermisst, füllt die Lücke im Zweifel mit einer negativen Annahme. Du gewinnst also wenig und riskierst einen unnötig zweideutigen ersten Eindruck.

Nicht das leere Feld macht dich stark, sondern ein Lebenslauf, der deine Jahre als Vorsprung liest, nicht als Risiko. — René Winkler · Reverse Recruiting Revolution™

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Was die Maschine mit deinem Alter macht

Bevor ein Mensch deinen Lebenslauf sieht, liest ihn ein Bewerbermanagementsystem. Es erfasst Daten, Zeiträume und Begriffe. Ob dein Geburtsdatum drinsteht oder nicht, entscheidet selten allein über den Filter. Entscheidend ist, wie der gesamte Datensatz gelesen wird: Passt die Erfahrung zur Zielrolle? Stehen die richtigen Begriffe an der richtigen Stelle?

Genau hier verlieren erfahrene Bewerber Punkte, nicht am Geburtsjahr, sondern daran, dass jahrelange Substanz für die Maschine unsichtbar bleibt. Wie ein solches System liest und aussortiert, erklärt der Beitrag zu Bewerbermanagementsystemen (ATS).

Wann Weglassen wirklich sinnvoll ist

Es gibt Fälle, in denen das Datum raus darf. Wenn eine Stelle ausdrücklich eine anonymisierte Bewerbung verlangt, lässt du persönliche Daten weg, das ist dann gewollt und erwartet. Und wenn du eine bewusste strategische Entscheidung triffst, ist das legitim, solange du sie konsequent durchziehst.

Wichtig ist nur eines: Halbe Wege sind gefährlich. Entweder du stehst zu deinem Werdegang mit allen Daten, oder du reichst eine sauber anonymisierte Fassung ein. Ein halb verräterischer Lebenslauf, in dem das Geburtsdatum fehlt, die Jahreszahlen aber alles preisgeben, ist die schwächste Variante.

Die ehrliche Empfehlung

Verschwende deine Energie nicht an einem einzelnen Feld. In den meisten Fällen darf das Geburtsdatum ruhig drinstehen, denn nicht dein Alter steht zur Debatte, sondern was du daraus gemacht hast. Der eigentliche Hebel liegt woanders: in einem Lebenslauf, der deine Erfahrung als Vorsprung positioniert und den sowohl die Maschine als auch der Mensch klar lesen können.

Wie das mit vielen Jahren Berufserfahrung konkret aussieht, liest du im Beitrag Lebenslauf nach 40. Und welche persönlichen Angaben überhaupt Pflicht sind und welche freiwillig, klärt der Überblick Was ist Pflicht im Lebenslauf sowie der Beitrag Lebenslauf mit Foto oder ohne.

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Häufige Fragen zum Geburtsdatum im Lebenslauf

Muss das Geburtsdatum in den Lebenslauf?

Nein. Das AGG macht das Geburtsdatum nicht zur Pflicht, weil niemand wegen seines Alters benachteiligt werden darf. Rechtlich darfst du es weglassen. In der deutschen Bewerbungspraxis wird es aber weiterhin meist erwartet.

Wie wichtig ist das Geburtsdatum im Lebenslauf?

Formal ist es unwichtig, weil es keine Pflichtangabe ist. Praktisch erwarten viele Personaler es trotzdem. Wichtiger als das Datum selbst ist, wie dein gesamter Lebenslauf gelesen wird, von der Maschine wie vom Menschen.

Sollte ich mein Alter im Lebenslauf weglassen?

Meist bringt das wenig. Wer datierte Stationen auflistet, verrät sein Alter ohnehin, und ein bewusst leeres Feld kann wie Vertuschung wirken. Sinnvoll ist das Weglassen vor allem dann, wenn ausdrücklich eine anonymisierte Bewerbung verlangt wird.

Was muss im Lebenslauf nicht mehr angegeben werden?

Freiwillig und heute oft weggelassen werden Geburtsdatum, Bewerbungsfoto, Familienstand, Konfession, Staatsangehörigkeit sowie Angaben zu den Eltern. Pflicht im engeren Sinn sind eigentlich nur Name und Kontaktdaten.

Quellen

René Winkler CV-Audit · Reverse Recruiting Revolution™
ATS-Systeme selbst gebaut und konfiguriert.
30 Jahre Erfahrung auf beiden Seiten des Recruiting-Tisches.
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